Mittwoch, 23. Januar 2013

#MMC13 Was kann ein MOOC Maker bei Pina Bausch lernen?

Ich denke ja gerne mal um die Ecke, mit der Folge, dass meine Bemerkungen gelegentlich etwas kryptisch wirken. Und manche Gedanken brauchen die einfach die Langfassung. Deshalb sitze ich schon wieder hier und blogge, obwohl ich eigentlich gar keine Zeit habe. Erkenntnis: "Mit Sätzen, die das Wörtchen eigentlich enthalten, hast Du schon verloren!"


Als ich den Impulsbeitrag von Yvonne Stragies las, hatte ich sofort das Bild einer Primaballerina im Kopf. Die ideale Lernerin Sarah ist diszipliniert, zielstrebig, kontrolliert und leidensfähig, wie ich es eigentlich nur mit diesem Beruf verbinde.

Allerdings gelten die EinzeltänzerInnen auch als ausgesprochen zickig (ja, auch ihr Männer seid zickig, ihr nennt es nur revolutionär, weil bärbeißig nicht so schön klingt).

Wie also bringt man all die perfekten Prinzen und Prinzessinnen dazu, in der Gemeinschaft zu tanzen und ein wahres Feuerwerk zu entfachen? Auch wer sich, wie ich, mit Ballett überhaupt nicht auskennt, hat vermutlich schon von Pina Bausch gehört. Was liegt also näher, als nachzusehen, wie hat sie es denn gemacht.

Pina Bauschs Inszenierung
„Meine Stücke wachsen nicht von vorne nach hinten, sondern von innen nach außen.“ Die Stücke bestanden aus vielen Parallelhandlungen und oft aus Wiederholungen als wichtiges Stilmittel.

Liegt darin nicht auch das Prinzip der MOOCs?  Auch der MOOC breitet sich, ausgehend von einem Kernteam, kreisförmig und nicht linear aus. Damit bekommt für mich auch das Bild eines Tsunami eine völlig neue, positive, Bedeutung.

Die Parallelhandlungen waren für die Zuschauerschauer oft verwirrend, machten aber auch den Reiz und die Magie der Stücke aus. Die Wiederholungen sollten auch die Fähigkeiten der Zuschauer, Nuancen wahrzunehmen, schulen. Klingelt da was?

Pina Bauschs Fragen
Pina Bausch hat ihren Tänzern keine Rollenvorbilder gegeben, sondern mit Ihnen gemeinsam die Rollen und das Stück fragend entwickelt:

„Mach mal etwas ganz Kleines. Etwas abbrechen, was ist dann?

Aus den daraus entstehenden Fragmenten entwickelte sich etwas neues, etwas nie dagewesenes. Alles MOOC?

Pina Bauschs Ensemble
Jetzt wird es richtig spannend: Für diese Vorgehen brauchte sie Menschen, die nicht dem Idealbild entsprachen. Sie mussten bereit sein, Fehler zu machen, wegzugehen von der klassischen Schönheit, Schwäche zu demonstrieren ...

Für mich ist dieser unvollständige Vergleich auf jeden Fall ein neuer Anlass, die Perspektive zu wechseln.

Brauchen wir für einen großartigen MOOC unter Umständen gar keine perfekten Lerner?

Update: Diese Reaktion auf Twitter gehört unbedingt noch dazu!


Kommentare:

  1. Sehr schöner Vergleich ;) Tja, brauchen wir perfekte Lerner? Brauchen wir Idealbilder? Erschreckt oder ermuntert das Beispiel Sarah? Auf jeden Fall sensibilisiert sie wie komplex die konkreten Aktivitäten im MOOC (aggregate, remix, repurpose, feed forward) sein können und wo die Schwierigkeiten lauern können. Es vermischt sich da ein bisschen Euphorie – schaut mal was alles möglich ist - mit Ironie: schaut mal genauer hin, wo die Schwierigkeiten liegen. Dieser Möglichkeits- und Anforderungsraum benötigt also keine perfekten Lerner, sondern Lerner die sich der möglichen Hürden/Schwierigkeiten bewusst sind und sie kollektiv meistern – weggehen vom Idealen MOOCer, von dem Gefühl nicht alles richtig zu machen, aufhören perfekt sein zu wollen und sich ausprobieren, experimentieren, andere beobachten, seine eigene Rolle finden, zu entdecken, dass etwas Kleines tun besser ist als nichts zu tun – gemeinsam die MOOC Bühne zu bespielen. Vielfältige und nicht perfekte MOOC-TN brauchen wir zum Tanzen ;)...

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  2. Für mich war Dein Ursprungspost tatsächlich der Einstieg in eine Kette von Aha-Erlebnissen. Was mir daraus (wieder) bewußt geworden ist: Oft ist es hilfreich, eine Idee bis an die Grenze zu überspitzen, damit ein Knoten platzen kann. Für mich funktioniert auch immer der Ansatz, auf jemanden (Person, Unternehmen, Organisation)zu schauen, der seine Sache so richtig, richtig gut gemacht hat und mich nach dem Kern der Sache zu fragen. Benchmarking eben aber so hoch würde ich es nicht aufhängen.

    Was für mich dabei raus kam, war wirklich ein sehr erfreulicher Perspektivwechsel. Nicht nur bezogen auf die Lerner, auch auf andere gelegentliche Kritikpunkte bzw. Fragestellungen.

    Beispielsweise die Sorge um die Heterogenität und die Frage, ob erfahrenere LernerInnen nicht schnell gelangweilt sind, wenn sie sich mit Anfängerthemen auseinandersetzen sollen. Da fand ich die Idee, dass Wiederholungen ja auch den Blick für Nuancen schärfen können, sehr gut. In einem MOOC muß ja auch keiner müssen, heißt, wenn er ein Anfängerthema nicht interessant findet, dann läßt er es eben. Punkt!

    Auch der Anspruch an uns selbst, einen perfekten MOOC zu machen, egal ob als Veranstalter oder Teilnehmer (der Begriff Teilgeber bei den EduCamps ist schon sinnvoll)kann mal in die Richtung verfolgt werden, was man gerade aus den unperfekten Anteilen, den Fehlern, die öffentlich gemacht werden, dem Verzicht auf reine "Schönheit", alles lernen kann.

    Bei mir sind in diese Richtung eine Menge Knoten geplatzt. Ich habe auch mit dem Post erstmals etwas veröffentlicht, was nicht fein säuberlich von allen Seiten durchdacht war. Es war mir wichtiger, den aktuellen Gedanken festzuhalten und unter Umständen später fortzusetzen, als ein brilliantes Post zu verfassen. Deshalb kann ich jetzt schon sagen, dieser #MMC13 und speziell auch Dein Beitrag und die Vernetzung mit Dir, haben mir enorm viel an Entwicklung gebracht.

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