Dienstag, 22. Januar 2013

#MMC13 - Woche 2: Kein MOOC für alle Fälle

Das Thema MOOC-Didaktik wird nach meiner Wahrnehmung derzeit von einem einzigen Thema getrieben: Drop-Out-Raten! Bei der Frage, ob MOOCs eine riesige Chance oder einfach nur ein einziger Hype sind, wird immer weniger über das Lernen im MOOC, worin die möglichen Potenziale liegen oder auch, warum MOOCs einfach nicht funktionieren können, geredet. Nein, es geht um den Drop-Out.


Im Herbst 2011 zog der Stanford-Kurs „Artifical Intelligence“, mehr als 160.000 registrierte Teilnehmer an, 20.000 schlossen die Prüfung erfolgreich ab. Zwei ähnliche Kurse, zu den Themen „Machine Learning“ (registriert 104.000/  abgeschlossen 13.000) und „Introduction to Databases“ (registriert 92.000 / abgeschlossen 7.000) hatten vergleichbare Drop-Out-Quoten. Diese Entwicklung wird von den Medien und der Fachöffentlichkeit aufmerksam verfolgt und kritisch kommentiert.
Quelle

Auch Prof. Dr. Rolf Schulmeister kritisiert in seiner Keynote bei der Campus Innovation 2012 die hohen Drop-Out-Quoten und nennt die problematische zeitliche Taktung als einen möglichen Grund (ca. ab Minute 35). Wer einmal wegen anderer Verpflichtungen sein Pensum nicht durcharbeiten kann, hat bei einer wöchentlichen Taktung  nach seiner Ansicht kaum noch eine Chance, Versäumnisse aufzuholen.


Quelle:  Lecture2Go, Universität Hamburg, Prof. Dr. Rolf Schulmeister, As Undercover Students in MOOCs

Die zeitliche Taktung ist sicher ein schwerwiegendes Problem aber nicht das Einzige.

Was also macht das MOOCen so schwer?

Zu dieser Frage stellte Dr. Joachim Wedekind in seinem Beitrag zur Campus Innovation 2012 einige Stolpersteine vor:
  • selbstgesteuerte Arbeit und Disziplin 
  • unkalkulierbarer Zeitaufwand 
  • Informationsflut ordnen, selektieren 
  • wenig/kein persönliches Feedback 
  • schwierige Leistungsbewertung 
  • setzt Social-Media-Kompetenz voraus
Dieses Bündel hat es in sich, weil die Schwierigkeiten der Lernenden neben methodischen Kompetenzen alle Facetten der persönlichen und sozialen Kompetenzen umfassen. Wie und wo kann man ansetzen?

Ansatz 1: Die Lerner müssen sich ändern

Man könnte jetzt natürlich hingehen und sagen: „Das sind doch alles Probleme, die in der Verantwortung der Lernenden liegen. Im Rahmen des lebenslangen Lernens müsste es doch im ureigenen Interesse der Lernenden sein, diese Fähigkeiten selbstgesteuert zu entwickeln.“


Wenn das aber nicht funktioniert, brauchen die Lernenden mehr und frühere Anleitung. Vor allem müssen sie Lernstrategien bewusst und planvoll einsetzen und ihre Medienkompetenz verbessern. Was läge da näher, als die Entwicklung eines MOOC-Führerscheins?

Durch eine strukturierte Unterstützung, mit einem Kompetenzrahmen, einem Lernplankompass (Teilkompetenzen, Bezug zum Lehrplan, Material, Werkzeuge) sowie den Inhalten und Werkzeugen, die im Netz zur Verfügung stehen, könnten Lernende in der Schule darauf vorbereitet werden, künftig als kompetente Selbstlerner durch das Netz zu navigieren.

Damit löst man allerdings nicht die Probleme der aktuell Betroffenen. Vor allem aber frage ich mich: Wie sollen die Lehrkräfte das leisten?

Ansatz 2: Die MOOCs müssen sich ändern

Wenn die meisten Lernenden mit den Anforderungen der MOOCs überfordert sind, müssen eben die MOOCs angepasst werden. Alternativ könnten vorgeschaltete Module zur Lösung des Problems beitragen.


Inspiriert von Jane Hart
Die Anpassung der MOOCs kann man zurzeit bei fast allen Anbietern von xMOOCs beobachten. Zentrale Anlaufstelle für die Lernenden ist ein Learning Management System. Dort werden Inhalte bereitgestellt, Lösungen eingereicht, Inhalte geteilt und Kontakte zu anderen Lernenden geknüpft. In den Kursen wird bewusst auf ein Überangebot an Quellen verzichtet, es werden Lernaufgaben gestellt, die bearbeitet werden müssen und die Lerner werden zu Peer-Reviews aufgefordert.

In Deutschland startet gerade ein Angebot der IMC AG im Verbund mit Hochschulen und Unternehmen. Professor Scheer, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der IMC AG,  beschreibt das Konzept der OpenCourseWorld mit den Worten: „Die Inhalte sind didaktisch auf die Online-Vermittlung ausgelegt und speziell dafür instruktionsorientiert produziert.“

Harvard begrenzt bei einem Angebot der Harvard Law School die Teilnehmerzahl auf 500.

Vergleicht man die Grundprinzipien eines MOOC:
  • keine verbindlichen Lernziele
  • dezentrale Struktur
  • Kernaktivitäten der Teilnehmenden: aggregate, remix, repurpose, feed forward
  • sharing by tagging
  • offener Zugang für alle Interessierten
mit den oben genannten Entwicklungen, kann man sagen: „Die MOOCs haben sich bereits radikal geändert.“ Man muss aber auch fragen: „Sind die oben skizzierten Online-Kurse noch MOOCs?“

Ein anderer Weg bestünde in vorgeschalteten verpflichtenden Modulen.  Sind solche MOOCs dann aber noch offen? Ist andererseits die Offenheit ein unverzichtbares Kriterium, wenn man durch eine vorübergehende Beschränkung den Lernenden Zugang zum selbstgesteuerten Lernen verschafft?

Eine weitere Möglichkeit wäre das geschickte Verknüpfen der Inhalte mit strukturierenden Elementen, Tutorials, Hilfen, betreuenden und motivierenden Komponenten.

Haben Sie jetzt gerade zustimmend genickt? Sie wissen aber schon, dass sich hinter dem lapidaren Satz die Forderung nach einem ausgefeilten didaktischen Konzept verbirgt? Mit welchen personellen und finanziellen Kapazitäten könnte man das umsetzen?

Ansatz 3: Die Perspektive muss sich ändern

Wie wäre es denn, wenn man einfach mal Dampf aus dem Kessel nimmt und etwas entspannter auf die Drop-Out-Quoten blickt?

Die MOOCs bieten erstmals Interessenten auf der ganzen Welt Zugang zu umfangreichen offenen Bildungsressourcen. Mit Harvard, Stanford und dem MIT scheinen plötzlich Institutionen zugänglich zu sein, die bisher nur Eliten vorbehalten waren. Angesichts der Chancen, die die MOOCs bieten, verhalten sich die Interessenten momentan wie Kinder im Süßwarenladen. Sie greifen überall zu und manch einem wird vorübergehend schrecklich übel. Kann man den Interessenten dieses Verhalten verdenken? Und spricht es andererseits gegen die MOOCs, wenn sie auf enormes Interesse stoßen?

Wir befinden uns in einer Phase des Experimentierens, Lernens und Erprobens. Die Veranstalter ebenso wie die Interessenten. Ist es in einer solchen Phase sinnvoll, die Drop-Out-Quoten informeller Lernszenarien mit den Abbruchquoten formeller Studienangebote zu vergleichen? Taugen solche Vergleiche überhaupt, um das Potenzial von neuen Formen kollaborativer Wissensaneignung auszuloten? Sicher nicht! Wer die Abbruchquoten bei einem MOOC mit Studien- oder Schulabbruch vergleicht, macht einen Kategorie-Fehler. Viele MOOC-Teilnehmer finden beispielsweise einfach das Format spannend. Haben Sie schon mal mit jemanden gesprochen, der ein Studium aufgenommen hat, weil er das Format Universität so interessant fand?

Auch die kritischen Kommentatoren hängen das Thema nicht so hoch, wie es durch die Berichterstattung in diversen Medien erscheint. Schulmeister beispielsweise hat in seinem Vortrag wesentlich mehr Zeit darauf verwendet, didaktische und auch ethische Probleme zu beschreiben, als auf die Missbilligung der Abbruchquoten. Und auch bei dieser Kritik problematisiert er nicht die Quoten an sich, sondern die Vermarktungsstrategien der Anbieter Udacity und Coursera.

Abschließend noch ein Blick auf die Absolventenzahlen: Der Stanford-Kurs „Artifical Intelligence“, hatte mehr als 160.000 registrierte Teilnehmer, 20.000 schlossen erfolgreich ab.

Wenn der Blick wieder frei ist für die Potenziale, die MOOCs bieten können, bestehen auch Chancen für eine gute MOOC-Didaktik. Ob das nun cMOOCs, xMOOCs oder Blended MOOCs sind, liegt ganz ideologiefrei an den angestrebten Zielen und Rahmenbedingungen. Einen MOOC für alle Fälle wird es ganz sicher auch künftig nicht geben. Ich wünsche allen viel Spass und Inspiration in der Didaktik-Woche des #mmc13.

Kommentare:

  1. danke, sehr konstruktiv. (auch ich habe am ende von 2. "zustimmend genickt", und glaube eigentlich schon, dass man das durch Open Source plus etwas selbstausbeutung so hinbekommt, dass man starten kann.)

    zum deutschen IMC-"MOOC" hier Ellen Trudes erschütternder bericht (v.a. in den kommentaren): https://plus.google.com/116544367019849284386/posts/JEW3xGD9SXR

    und eine recht schöne einordnung der drop out-problematik von Donald Clark hier: https://plus.google.com/102484891814321353019/posts/5QYAWPYngTX

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    1. Danke! Ja, ich glaube auch, dass man es schaffen kann. Der Punkt ist die Selbstausbeutung und die Frage, wie man sich dazu permanent motivieren kann. Ich überlege gerade, ob nicht ein permanentes "moocen" ein erfolgreicher Ansatz wäre? Ich stelle mir darunter folgendes vor: Es finden sich Gruppen, wie beispielsweise eure Talkrunde von gestern Abend, die eine recht klare Fragestellung hat. Damit ist schon mal das Problem, dass man im luftleeren Raum diskutiert, aus der Welt.

      Wenn diese Gruppe hergeht und die weitere Arbeit als MOOC organisiert, dann hätte es aus meiner Sicht einiges Potenzial. 1. Man schafft sich einen verbindlichen Rahmen. 2. Bei der Vorbereitung bekommt man schon einiges an Klarheit, es entickeln sich Ideen und Austausch in der Gruppe (Organisatoren und inhaltliche Treiber) 3. Mit dem MOOC holt man sich das Know-how,Ideen ...

      Es muß ja dabei nicht so perfekt wie im #MMC13 zugehen. Ich denke, man müsste schauen, was denn wirklich essenziell ist und dann ganz reduziert an die Sache herangehen.

      Umsetzbar?

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  2. Donald Clark beschreibt Mooc als Teil des Life long Learning. Wenn man Moocs als die Volkshochschule des 21. Jahrhunderts sieht, beunruhigen einen die Dropout Zahlen nicht.

    Früher studierte man den Katalog der VHS und fand die Kurse Yoga, Asiatisch Kochen, Chinesisch für Anfänger, Wahlen in den USA, Bildbearbeitung mit Photoshop usw. interessant. Meist hat man höchstens einen der Kurse besucht.

    Heute meldet man sich direkt beim Mooc an, ist ja so einfach, und nimmt dann auch nur höchstens an einem Rate.

    Im Marketing nennt man das Conversion Rate - vom ersten Besuch zum Kauf - springen halt Kunden ab.

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    1. Danke für die Anregung! Die Volkshochschule halte ich auch für einen guten Vergleich. Sie sollten das Thema auch möglichst schnell aufgreifen, als eine Art "Schaufenster" für ihre Leistungsfähigkeit. Ich glaube, mit MOOCs könnten sie völlig andere Zielgruppen als bisher ansprechen.

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  3. Tusch, liebe Cornelie, für Deinen super Beitrag und Deine Betrachtung aus konstruktiven Blickwinkeln. Das ist strukturiertes Denkfutter für mich und sehr wertvoll für die MOOC-Diskussionen.

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    1. Danke, liebe Ellen! Ich habe selbst wieder mal gemerkt, wie wichtig es ist zu bloggen. Ich glaube, man schafft die Auseinandersetzung mit einem Thema viel besser, wenn nicht nur die eigenen Positionen im Spiel sind sondern auch die Frage, was bringt es für die Leser.

      Ich finde den #MMC13 gerade so extrem spannend, ich hätte gerne 4 Köpfe. :-)

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  4. Schöner Beitrag, insbesondere Ansatz 3 gefällt mir. MOOC ist ein so neues Konzept, dass der Mensch, der seit mehreren Jahrhunderten im Kurs- und Lehrersystem sozialisiert wurde und auch entmündigt wurde, für diese neue MOOC-Autonomie etwas Zeit zur Anpassung benötigt. Dann sind die Themen in vielen Moocs bisher auch sehr speziell, eine kleine Gruppe Experten, die sich in ihrem Element fühlen, und viele, die aus dem Staunen über Menge, Inhalt, Umfang erst einmal nicht heraus kommen.

    Interessant wäre jetzt mal ein cMooc über einfache, bekannte Themen, wo der Abstand zwischen Experten und Laien nicht so groß ist und viele mitmachen können und viele etwas beitragen könne, z.B 2. Weltkrieg, Kochthema, Sportthema ... Da sind dann vielleicht auch die drop-out-Raten nicht so hoch wie bei Informatikthemen.

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    1. Danke für diesen Kommentar und Denkanstoß. Der Gedanke, MOOCs zu einfacheren bzw. allgemein zugänglicheren Themen zu veranstalten, ist mir so noch nicht gekommen. Im ersten Moment habe ich offen gestanden ein bisschen geschluckt aber dann ist der Groschen bei mir gefallen. Ich denke, solche Ideen gehen genau in die richtige Richtung, wenn man mehr Menschen in das Boot der offenen Online-Bildung holen will.

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  5. Toller Impuls, kritischer Beitrag,der zum Nachdenken anregt.
    Ich finde nicht, dass man Kurse vor einem MOOC schalten sollte, dann hat es wieder etwas sehr schulisches und der offene Charakter entfällt zunehmendst.
    Ansatz 2 gefällt mir im Ansatz gut. Die Einbindung von Tools, Tutorials und immer wieder die Anregungen und Motivationen seitens anderer Lerner oder durch die Moderatoren/Veranstalter, halte ich für machbar, auch wenn es didaktisch sicher aufwendig ist. Doch man sollte vielleicht auch bedenken, dass MOOC am Anfang stehen, didaktische Konzepte und Vorgehensweisen sich in der Findungsphase befinden und es wird noch experimentiert. Tutorials entstehen, müssen aber nicht jedes Mal neu erfunden werden, genau wie anderes Zusatzmaterial vermutlich auch - und doch fehlen mir hierzu die didaktischen Voraussetzungen, um es wirklich beurteilen zu können. Bitte einfach richtig stellen, wenn ich 'Müll' red.
    Ansatz 3 des Perspektivwechsel halte ich für sinnvoll. Nicht immer muss Bildung am Dropout gemessen werden und wenn wie "Anonym" schreibt auch MOOC zu Alltagsthemen gestartet werden, die viele auch Otto-Normal-Verbraucher ansprechen und wahrgenommen werden, ist dann das Frop-out wirklich wichtig?
    Und doch stelle ich mir die Frage, was heißt Drop-Out?
    Drop-Out = ein bestandenes Zertifikat, eine formelle Bescheinigung, dass ich etwas gelernt habe.
    Drop-Out = Kann es nicht auch mehr als formell meßbare Dinge sein? Schon alleine die Teilnahme als Lurker bringt mir Lerneffekte. Die aktive Teilnahme steigert die Medien-/Web-/Social Media Kompetenz (je nach Definition und Angebots des MOOC). Und durch die meist schriftliche Kommunikation und das Verfassen von Blogartikeln und des Lesen von vielem Geschriebenen von Experten und Laien wird die Ausdrucksweise und ggf. die Gestaltungsweise der eigenen Texte verändert (verbessert?).
    Müssen wir uns nicht im allgemeinen mehr Lösen von der Zertifikation und mehr informelles Lernen fördern und anerkennen?

    Interessant finde ich den Aspekt, dass MOOC vielleicht eine Chance für Volkshochschulen sein kann ihre Angebotspalette zu erweitern. Denn dieser Gedanke hat sich bei mir in den letzten Tagen schon eingenistet. Dadurch könnten MOOC einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, die Thematiken werden sich verändern und auch die VHS könnte ggf. daraus Kapital erzeugen, in dem sie im Vorfeld (wie in Ansatz 1 beschrieben) Kurse zu den notwendigen Kompetenzen anbieten - allerdings sollten diese Kurse nicht zwingend notwendig sein, um den offenen Charakter, das jeder kostenlos und ohne Zugangsbeschränkungen teilnehmen kann.
    Begründen will ich es damit, dass der Offene Charakter die Möglichkeit bietet viel Potential abzuschöpfen und in MOOC zu bündeln, wenn nicht nur Experten mit enormen Vorwissen dort diskutieren und zusammentragen.

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  6. Danke, Cornelia, für den Beitrag, es fasst viel zusammen, was ich auch so denke. Ich habe noch einige Anmerkungen:
    Schulmeisters Kritik an den xMOOCs reduzierte sich ja wie Du schriebst gar nicht darauf, sondern eher, dass die Anbieter nicht ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden.
    Zu den Abbruchquoten sagte er übrigens, dass die xMOOC Anbieter selbst auf ihn zugekommen wären, weil SIE diese Quoten senken wollen. D.h. das Problem wird nicht von den anderen, sondern vielmehr von den Anbietern selbst als Problem wahrgenommen. Und weil er sie beraten hat, hat er sich halt auch mal angeschaut, was nicht so gut läuft. Er ist auch nicht gegen MOOCs an sich z.B. in der Weiterbildung, sondern eher als Ersatz für ein reguläres Studium, da er die Problematik mit der mangelnden Betreuung sieht.

    Ich persönlich sehe das ähnlich und hatte das ja auch in der Nachlese zur Campus Innovation geschrieben (s. http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/sd/blog/2012/11/25/thoughts-on-moocs-nachlese-zur-campus-innovation-2012/)

    vor allem fand ich da den Satz schon von Daniel Spielmann 'Lasst den MOOC doch erst mal erwachsen werden' - gewittert auf der CI12.

    Und ich denke auch: eine Zahl von 20.000 Absolventen, da würden sich viele Bildungsanbieter die Finger danach lecken. Natürlich kann die nicht jeder erreichen, da nicht alle so renommierte Namen tragen.. aber einen kleinen Teil dieser Zahl, damit wären viele Kursanbieter ja schon sehr froh.

    Zudem glaube ich, dass viele Abbrecher nicht nur deshalb abbrechen, weil sie bei der Anmeldung nur Interesse am Format hatten, sondern auch, weil es verführt, sich auf ein Angebot eines so renommierten Einrichtung kostenfrei anzumelden und vielleicht hatten sie ja auch nie vor, abzuschließen, sondern wollte ggf. nur an die Materialien, an den Content ran kommen. Fernstudiengänge haben ja auch ähnlich hohe Abbruchquoten. Ich denke von daher wäre es wirklich spannend von Anfang an über verschiedene Beteiligungslevel wie z.B. die drei Ebenen im OPCO12 nachzudenken, wo man einfach dem Lernenden anbietet, sich einzutragen, in welchem Intensitätsgraden er/sie teilzunehmen möchte.

    "Intensiv" könnte z.B in einem xMOOC bedeutet, ich bekomme Aufgaben oder Push-Mails oder sonst was zugeschickt, die der "Beobachter" nicht bekommt. Man darf von Intensiv auf Beobachter wechseln aber nach 6 Wochen nur Beobachter nicht mehr auf Intensiv, weil man dann zu viel verpasst hat. Das wäre nur was für xMOOCs, in den cMOOCs macht das der Lernende ja sowieso eher selbst durch die eigene Steuerung der Beteiligungs- Lese, Vernetzungsintensivität.
    (s. z.B. die Badges im OPCO12 http://opco12.de/anerkennung/#onlinebadges)

    Im cMOOC könnte der Beteiligungslevel Einsteigern das Signal/Orientierung geben a la:

    "Du kannst auch wenig machen und musst dich nicht dauernd gestresst fühlen oder ein schlechtes Gewissen haben, dass du nicht alles liest, das muss man auch nicht."

    und Orientierung gibt, wenn z.B. mooc newbie Jan Karl Wofski in seinem Blog fragt: "Wie oft muss ich bei einem Mooc etwas posten?"

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  7. Hier noch einen netten Artikel zu den Drop Out Quoten a la: "Was soll's"
    http://ryan2point0.wordpress.com/2013/01/21/the-moot-point-of-moocs/

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  8. Hallo,

    ein wirklich inspirierender Artikel. Der Gedanke mit dem „Thema“ (weiter oben) kam mir beim Lesen auch. Ich denke, gerade die Auswahl des Themas ist eine Aufgabe, über die Lehrende sehr viel Einfluss auch auf die Abbrecher-Quote haben. Ein offenes, komplexes Thema wird eine sehr viel heterogenere (und damit gerade für Newbies schwieriger zu überblickende) Lernergruppe zufolge haben, als ein einfaches, weniger komplexes Thema oder eines, dass sehr viel zielgruppen-/interessengerichteter ist (was m. M. nach die „Offenheit“ des MOOCS nicht berührt).

    Hier frage ich mich dann auch: Worum geht es beim MOOC? Geht es darum, sich Wissen zum jeweiligen Thema anzueignen? Oder geht es weniger um das Thema, sondern mehr um die Lernform an sich, also das „Moocen“?
    Wenn ich so überlege, was ich bislang über MOOCS mitbekomme habe, glaube ich auch, dass es der Masse der MOOC-Willigen wahrscheinlich wirklich nicht (nur) um das Thema an sich geht, sondern darum, einfach eine neue Lernform auszuprobieren, vielleicht auch Teil einer kleinen (großen?) Lern-Revolution zu sein… manche Lernende belegen einen MOOC nach dem anderen und das wohl mehr, um dieses spezielle MOOC-Gefühl zu ergründen (anstatt einen Abschluss erlangen zu wollen).

    Die Zukunft der MOOCs stelle ich mir sehr viel homogener vor. Wenn MOOCs zum Standard gehören, denke ich, wird man die eigene Teilnahme sehr viel mehr nach Thema/Interesse/Berufsgruppe oder ähnlichem auswählen (als nach der Lernform). Dann dürfte es für Lehrende auch einfacher sein, lernerspezifische Impulse zu geben und für Lernende einfacher, sich zu motivieren und Gleichgesinnte zu finden.

    Achso: Einen MOOC mit lauter perfekten Selbstlernern stelle ich mir irgendwie „gruselig“ und langweilig vor. Da drängt sich mir gleich die Frage auf: braucht ein perfekter Selbstlerner überhaupt noch einen MOOC? Wenn ich mir den perfekten Selbstlerner vorstelle, dann lernt der sowieso immer und überall. Der braucht gar keinen extra Raum, keinen MOOC um zu lernen. Der hat das Lernen quasi voll in den Alltag integriert, lernt aus jeder Handlung, die er begeht und aus jeder Situation, in der er sich befindet. In meiner Vorstellung lebt der perfekte Selbstlerner sozusagen symbiotisch mit dem Lernen ;-)

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  9. Danke für diese Impulse!
    Eingehen möchte ich noch mal auf Perspektive 3: Im Bild "wie Kinder im Süßigkeitenladen" finde ich mich wieder und stelle fest: Die kurzeitige Übelkeit hat einen großen Lerneffekt. Sie gehört zum Entdecken dazu. Und anscheinend entdecken wir alle grade das Potential eines solchen Ladens (mooc's), seine Einrichtung (tools), die Raumgestaltung (Struktur durch Veranstalter) und probieren die Süßigkeiten(Inhalte).

    Während ich noch genussvoll nasche, schaue ich mich um und denke: "Hm, so einen Laden möchte ich auch mal einrichten. Wie würde der dann wohl aussehen?"

    Dein Beitrag macht aber vor allem eins auch deutlich: Es müssen ja nicht nur Süßigkeiten angeboten werden. Was ich damit sagen will: Moocs im bisher vorgestellten Sinne sind Kurse, bei denen die Teilnehmenden etwas lernen wollen. Das Prinzip bzw. der Verlauf eines Moocs zeigt aber auch, dass neben dem Lernen auch etwas anderes stattfindet: Das gemeinsame Erschaffen von Etwas. Das können z.B. Texte sein, die vlt. irgendwann publiziert werden, Filme, neue Software. Vieles ist denkbar.

    Wenn das jetzt nun aber im Rahmen mal als Massive Open Online Workshop - MooW - absichtlich initiiert würde? Eine Idee nur (ist sie schon umgesetzt worden?), die aber zeigen soll, dass das Prinzip "mooc" übertragbar und erweiterbar und ist.

    Beim Schreiben hab ich mich jetzt ein wenig verrannt ;-)

    Perspektivenwechsel: Das ist eine Kompetenz, die es in einer Zeit, in der wir dynamische Entwicklungen in aller Öffentlichkeit miterleben können, sehr wichtig geworden ist. Meine Perspektive auf die Zahlen war: "Wow, 20.000 Leute haben erfolgreich abgeschlossen". Es hat etliche Tage gedauert, bis ich das Wort "drop-out-quote" verstanden hatte. Diese Perspektive, also die Zahlen Teilnehmer - Abschlüsse ins Verhältnis zu setzen, konnte ich dann zwar einnehmen, finde sie aber einfach aus den von Dir genannten Gründen nicht sinnvoll.

    Viele Grüße
    Katja

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  10. Liebe Katja,

    freut mich, dass Du das Bild vom Süßigkeitenladen so kreativ weiter entwickelst und dabei Lust auf einen solchen Laden bekommst.

    Bei dem MOOW - Massive Open Online Workshop - fällt mir der Booksprint ein, meinst Du etwas in der Art?

    http://1geheimprojekt.wordpress.com/2012/06/10/booksprint-oder-mal-anders-veroffentlichen/

    Ich kann mir auch gut vorstellen, dass das Prinzip der MOOCs in andere Bereiche übertragen wird und sich zum Instrument kollaborativer Entwicklung (Produktion) von Wissen und Produkten entwickelt.

    Zur Perspektive: Ja, so meinte ich es auch. Wow! Welcher Seminar-Anbieter würde nicht davon träumen, in einem einzigen Kurs 20.000 Teilnehmer erfolgreich zum Abschluß zu bringen.

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