Freitag, 8. November 2013

Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland auf Rekordniveau - #AES2012 Teil 1

Die Weiterbildungsbeteiligung liegt in Deutschland aktuell bei 49% und damit nur geringfügig unter dem angestrebten bildungspolitischen Ziel der Bundesregierung für das Jahr 2015.
„Unser Ziel ist es, die Beteiligung der Bevölkerung an Weiterbildung bis zum Jahr 2015 von 41 auf 50 Prozent zu steigern“
(Bundesministerium für Bildung und Forschung 2007, zitiert aus Resultate des Adult Education Survey 2012, Seite 16)
Alles gut, könnte man deshalb meinen, wenn nicht, wie so oft, die Tücke im Detail läge: 

Der Satz ist keinesfalls nur eine persönliche Meinung, sondern er zieht sich als kritischer Unterton durch das gesamte erste Drittel des "Adult Education Survey 2012".

Adult Education Survey 2012

Unter institutioneller Herausgeberschaft des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) wurden in dieser Woche die Resultate des Adult Education Survey 2012 (AES 2012)veröffentlicht. Auftraggeber dieser knapp 390 Seiten umfassenden Studie, die alle 2 Jahre durchgeführt wird, ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die Studie untersucht das Weiterbildungsverhalten der deutschen Wohnbevölkerung im Alter von 18 bis unter 64 Jahren. Das BMBF nutzt das AES als Monitoring-Instrument zur Weiterbildungsbeteiligung, aber auch für Träger beruflicher und nicht-beruflicher Weiterbildung ist das AES ein wertvolles Analyse- und Planungsinstrument.

Untersucht wird die gesamte Palette der Weiterbildungsmöglichkeiten für Erwachsene. Zum besseren Verständnis der benutzten Begriffe, ist im AES diese Grafik enthalten.

Creative Commons Lizenzvertrag
Weiterbildungsverhalten in Deutschland, Herausgebende Institution: Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE) ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz. Quelle

Eine kurze Erläuterung zur Grafik finden Sie hier. Zusätzlich gibt es eine Segmentierung der Weiterbildung in:
  • betriebliche Weiterbildung
  • individuelle berufsbezogener Weiterbildung
  • nicht-berufsbezogene Weiterbildung
Das sind, sehr verkürzt, die notwendigen Fakten zum Hintergrund der Weiterbildungsstudie (AES 2012).

Zentrale Ergebnisse

Weiterbildungsquoten sind auf dem Höchststand
Seit Beginn der Erhebungen (1991) haben wir im Jahr 2012 die bisher höchste Beteiligung an Weiterbildung. Die Quote von 49% entspricht etwa 25,1 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter.

CC-Lizenz und Quelle wie Abb. 1

In einer aufgeschlüsselten Erhebung der Quoten für Ost- und Westdeutschland ergibt sich ein deutlich höherer Anstieg der Weiterbildungsbeteiligung für Ostdeutschland (53%), gegenüber Westdeutschland (48%). Gleichzeitig stellen die Verfasser jedoch eine geringere Stabilität der Weiterbildungsquoten für Ostdeutschland fest und gehen dabei ursächlich von Schwankungen am Arbeitsmarkt und bei staatlichen Förderprogrammen aus.

Die insgesamt gestiegenen Weiterbildungsquoten können einerseits auf erhöhte Aktivitäten auf individueller Ebene zurückgeführt werden, oder auf eine Ausweitung der Teilnehmenden. Deshalb wurden in einem weiteren Schritt die einzelnen Weiterbildungsaktivitäten erhoben und somit die Weiterbildungsintensität gemessen. Die Anzahl der Aktivitäten pro Teilnehmendem haben sich in den vergangenen Jahren nicht nennenswert geändert. Etwa die Hälfte (49%) aller Teilnehmenden, führten im Erhebungszeitraumeine eine Aktivität durch, gut ein Viertel (26%) zwei Aktivitäten, ein Fünftel drei oder vier Aktivitäten und 5% kamen auf fünf oder mehr Aktivitäten.

Im Segment "betriebliche Weiterbildung" finden die meisten Aktivitäten statt
Auffälligster Befund ist in diesem Bereich die gegenläufige Entwicklung von betrieblicher Weiterbildung (Anstieg von 59% im Jahr 2007 auf 64% im Jahr 2012) und individueller berufsbezogener Weiterbildung (Abfall von 24% im Jahr 2007 auf 18% im Jahr 2012). Die nicht-berufsbezogene Weiterbildung zog von 2007 (16%) auf 18% im Jahr 2010 an und liegt unverändert auf diesem Niveau.

Rund zwei Drittel aller Weiterbildungsaktivitäten entfallen auf das Segment betrieblicher Bildung und sind damit nur einem begrenzten Personenkreis zugänglich. 

Diese Tendenzen werden in einem nachfolgenden Kapitel des AES noch weiter untersucht. Im Kapitel 9 sollen neue Perspektiven auf individuelle Kofininazierungen betrieblicher Weiterbildung betrachtet werden.

Der generelle Zuwachs der Weiterbildungsaktivitäten ist nicht mit einem Zuwachs der Zeiträume verbunden.
Durchschnittlich werden für eine Weiterbildungsaktivität 43 Stunden aufgewendet. Dieser Wert wird aber stark von zeitintensiven Weiterbildungen beeinflusst.
  • Betriebliche Weiterbildungen umfassen im Durchschnitt 31 Unterrichtsstunden, die Hälfte aller Aktivitäten liegt aber im Bereich bis zu 12 Stunden.
  • Individuelle berufsbezogener Weiterbildung umfasst im Durchschnitt 68 Unterrichtsstunden, die Hälfte aller Aktivitäten umfasst bis zu 25 Stunden.
  • Für nicht-berufsbezogene Weiterbildung werden durchschnittlich 58 Stunden aufgewendet. In diesem Segment gibt es keine größeren Abweichungen vom Mittelwert.
CC-Lizenz und Quelle siehe Abb.1
Die über alle Weiterbildungsaktivitäten hinweg aufgewendeten Stunden ergeben das Weiterbildungsvolumen. Obwohl die Anzahl der Weiterbildungsaktivitäten bei der betrieblichen Weiterbildung sehr hoch ist, liegt das Weiterbildungsvolumen nur bei 50%. Dies liegt an dem sehr hohen Anteil kurzfristiger Weiterbildungen.

Der Anteil der individuellen berufsbezogenen Weiterbildung liegt bei 26%, der Anteil der nicht-beruflichen Weiterbildung bei 24%. Anhand des Weiterbildungsvolumens können sehr differenzierte Aussagen, zum Anteil einzelner Gruppen, an allen Weiterbildungaktivitäten gemacht werden. Dieser gruppenbezogenen Auswertung ist das fünfte Kapitel gewidmet.

Erwerbsstatus und berufsbezogene Merkmale dominieren die Weiterbildungsbeteiligung

Die Gruppe der Erwerbstätigen stellt mit 56% den höchsten Anteil aller Weiterbildungs-teilnehmenden dar. Die höhere Quote im Vergleich zu nicht erwerbstätigen Personen ist vor allem auf unterschiedlichen Zugang zu betrieblichen Weiterbildungen zurückzuführen.

Innerhalb der Gruppe der Erwerbstätigen, wird ein deutlicher Unterschied zwischen Vollzeiterwerbstätigen (57%) und Teilzeiterwerbstätigen (52%) festgestellt. Noch deutlicher werden die Unterschiede, wenn die berufliche Stellung in die Betrachtung einbezogen wird. Beamte beteiligen sich mit 81% am häufigsten an Weiterbildung, gefolgt von Angestellten (61%), Selbständigen (52%) und Arbeitern (38%). Angestellte in gehobenen Positionen stellen wiederum den höchsten Anteil an Weiterbildung insgesamt und insbesondere an betrieblicher Weiterbildung.

CC-Lizenz und Quelle wie Abb. 1

Damit bin ich bei meinem Eingangsstatement angekommen: Wer hat, dem wird gegeben.

Weitere interessante Aspekte, wie beispielsweise die Beteiligung von Frauen oder Menschen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen, demnächst an dieser Stelle.

Die gesamte Studie zum "Weiterbildungsverhalten in Deutschland" kann kostenlos beim W. Bertelsmann Verlag heruntergeladen werden.

Donnerstag, 7. November 2013

Formal, non-formal, informell - Die Crux mit den Begriffen

Wer sich mit Weiterbildung beschäftigt, ist zwangsläufig mit den unterschiedlichen Bildungsformen - formal, non-formal und informell - konfrontiert. Wohl dem, der sich dabei noch nie in diesem Begriffsdschungel verirrt hat. Hier hilft die aktuelle Weiterbildungsstudie "Adult Education Survey 2012" mit einer erfreulich einfachen Grafik und weil die gesamte Studie unter der Creative-Commons-Lizenz CC-BY-SA veröffentlich ist, darf sie genutzt, verändert und verbreitet werden.

Die Bildungsformen in der Übersicht

 

Creative Commons Lizenzvertrag
Weiterbildungsverhalten in Deutschland, Herausgebende Institution: Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE) ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz. Quelle

Zur formalen Bildung gehören in die Deutschland die Bildungsgänge der Primar- und Sekundarstufe sowie der tertiäre Bildungsbereich, dies sind neben Hochschulen beispielsweise Fachschulen und Berufsakademien. Bei formaler Bildung handelt es sich in der Regel um organisierte, aufeinander aufbauende Vollzeitbildungsgänge. Als zusätzliches Kriterium gilt eine Verortung im Nationalen Qualifikationsrahmen sowie eine Mindestdauer von 6 Monaten. Damit gehört zum Beispiel die Meisterausbildung oder die Ausbildung zum geprüften Fachwirt/zur geprüften Fachwirtin in den Bereich der formalen Bildung, obwohl es sich streng genommen um Weiterbildung handelt.

Non-formale Bildung umfasst alle organisierten Lehr-/Lernsettings, die nicht in den Nationalen Qualifikationsrahmen eingebunden sind. Wesenliche Merkmale sind nach der Definition im "Adult Education Survey 2012", Seite 19:

Ein Mindestmaß an Organisiertheit – ein Anbieter der Veranstaltung ist identifizierbar, die Veranstaltung hat ein definiertes Lernziel und ein Curriculum, Anfang und Ende sind bestimmt.
Es handelt sich also um alle Bildungsangebote, die wir landläufig Weiterbildung nennen, wobei in der Weiterbildungsstudie noch die Unterscheidung nach:
  • betrieblicher Weiterbildung
  • individueller berufsbezogener Weiterbildung
  • nicht-berufsbezogener Weiterbildung
getroffen wird. Diese Segmentierung ist wichtig für die genauere Analyse der einzelnen Segmente, für die grundlegende Definition der non-formalen Bildung aber nicht notwendig.

Unter informellem Lernen wird schließlich jede Form von selbstorganisiertem Lernen verstanden, vorausgesetzt es liegt eine Lernintention vor. Hier liegt aus meiner Sicht ein wesentlicher Unterschied, zu der gelegentlich gebrauchten Definition des "zufälligen Lernens" oder "natürlichen Lernens".

Der Begriffsdschungel ließe sich somit leicht entwirren, wenn sich denn alle Beteiligten auf die Definitionen des "Adult Education Survey 2012" einigen könnten.

Die gesamte Studie zum "Weiterbildungsverhalten in Deutschland" kann kostenlos beim W. Bertelsmann Verlag heruntergeladen werden.